ernährt sich als eine der wenigen heimischen Fischarten fast ausschließlich von pflanzlicher Kost. Ihren Namen verdankt sie ihrer typisch geformten Schnauze mit dem stark unterständigen Maul. Mit dem scharfkantigen, verhornten Maul schabt und zupft sie Algen und die darin enthaltenen Kleintiere vom Gewässergrund. Aufmerksame Beobachter entdecken solch „grasende“ Nasen durch ein „Aufblitzen“ im Wasser. Da die Fische ihren Körper beim Abschaben der Algen drehen, glitzern bei Sonnenschein die silbern beschuppten Flanken im Licht. Nasen wanderten früher in riesigen Schwärmen mehrere 100 km stromauf zu ihren Laichplätzen. Durch die Zerstückelung der Flüsse mit Wehren und Kraftwerken gelten sie heute in Bayern als stark gefährdet. Die Nase ist ein kraftvoller Weißfisch der es liebt in der Strömung zu schwimmen. Sie kann bis knapp 2 kg schwer und über 50 cm groß werden.

März: Die Hohltauben
sind die Höhlenbrüter unter den vier Wildtaubenarten unserer Heimat. Sie sind Pflanzenfresser und müssen uns deshalb im Winter verlassen. Ihr Lebensraum sind ältere Laub- oder Mischwälder. Dort sind sie auf verlassene Höhlen des Schwarzspechtes angewiesen, um brüten zu können. Stehendes Totholz im Wald hat zum Beispiel solche Höhlen. Das Gelege, nahezu immer zwei Eier, wird von beiden Altvögeln abwechselnd bebrütet. Die Jungvögel werden in den ersten Tagen mit „ Kropfmilch“ gefüttert. Das ist eine eiweiß- und fetthaltige Absonderung aus dem Kropf der Alttiere. Noch während die Jungtauben als „Ästlinge“ von den Eltern versorgt werden müssen, wird in der Höhle oft schon ein weiteres Gelege bebrütet.

Februar: Der Karpfen
stammt ursprünglich aus Asien. Als wichtigster Fisch der Teichwirtschaft wurde er von den Klöstern im 13. bis 15. Jahrhundert über fast ganz Europa verbreitet. Er bevorzugt warme, stehende oder langsam fließende Gewässer mit Sand- oder Schlammgrund. Besonders in der Dunkelheit geht er auf Nahrungssuche. Sein Speiseplan umfasst Kleintiere im Schlamm und auf Pflanzen, wie Würmer, Kleinkrebse und Insektenlarven. Diese spürt er mit den Geschmacksnerven auf seinen vier Barteln und dem vorstülpbaren Rüsselmaul im weichen Untergrund auf. In der Teichwirtschaft werden Karpfen zusätzlich mit Getreide gefüttert. In ihrer Jugend gesellig, leben ältere Karpfen meist als Einzelgänger. Zur Laichzeit von Mai bis Juni werden die befruchteten und klebrigen Eier im Unterwasserkraut abgelegt, wo sie an den Pflanzen haften. Der Karpfen kann über 20 Jahre alt und 30 kg schwer werden.

Januar: Das Rehwild
ist sehr anpassungsfähig und überall anzutreffen. Es bevorzugt jedoch abwechslungsreiche Lebensräume, die Nahrung und Deckung bieten. „Feinden“ weicht es nur ein kleines Stück aus und beobachtet dann aus „sicherem Versteck“ alles Weitere. Zur Flucht gezwungen, ist das Reh schnell, aber nicht ausdauernd. Der Rehbock, trägt ein „Gehörn“, das aus Knochen besteht. Es wird jedes Jahr im Winter „abgeworfen“.
Sofort danach beginnt der Bock neues „Gehörn“ zu „schieben“, das während des Wachstums von einer Haut, dem „Bast“ umgeben ist.
Nur im Winter stehen Rehe in „Sprüngen“ – wie im Bild – gesellig beieinander. Ansonsten beanspruchen sie ihr eigenes Revier, markieren es und behaupten es Artgenossen gegenüber.

Einführung
Zum Kalender „Wald, Wild und Wasser 2017“
Die Auswahl der vorgestellten Tierarten wurde unter dem Leitthema „Pflanzenfresser und Friedfische“ getroffen. Pflanzen, die in der Lage sind, aus Kohlendioxid und Wasser Kohlehydrate aufzubauen, bilden die Grundlage allen tierischen Lebens. Viele Tierarten – die Pflanzenfresser – bleiben zeit ihres Lebens existenziell von ihnen abhängig. Vorgestellt werden Säugetiere, Vögel, Fische und ein Insekt.
Unter dem Sammelbegriff „Wild“ stellen sich viele Menschen zunächst einmal die Gesamtheit aller
wildlebenden Tiere unserer Heimat vor. Dies ist zwar im Ansatz richtig, trifft jedoch auf den tatsächlichen Sachverhalt nur unzureichend zu. „Wild“ ist ein Begriff aus dem Jagdrecht und bezieht sich allein auf die wildlebenden Tierarten, auf die die Jagd ausgeübt werden darf. Diese Tierarten sind im Jagdgesetz alle einzeln benannt.
Es würde zu weit führen, diesen Katalog hier vorzustellen, doch soll versucht werden, ein paar
grundsätzliche Aspekte herauszuarbeiten.
- Die Liste der jagdbaren Tierarten (= „Wild“) ist historisch gewachsen und unterliegt immer wieder Veränderungen. So wurden z.B. in den siebziger Jahren alle Eulen herausgenommen und etwa in den neunziger Jahren in Bayern drei Rabenvogelarten aufgenommen. Derzeit umfasst die Liste über 100 Arten.
- Jagdbar sind nur bestimmte Arten der Säugetiere und Vögel, grundsätzlich jedoch keine Fische, Reptilien und Insekten.
- Sehr viele jagdbare Arten dürfen tatsächlich aber trotzdem nicht bejagt werden. Sie genießen eine ganzjährige Schonzeit. Obwohl sie jagdlich nicht genutzt werden dürfen, haben sie ein Recht auf Hege durch den Jäger. Somit schützt sie das Jagdrecht umfassender als das Naturschutzrecht.
- Die Säugetiere und Vögel, die im Kalender „Wald, Wild und Wasser 2017“ vorgestellt werden, unterliegen alle dem Jagdrecht und haben
– ausgenommen der Hohltauben und Auerwild – Jagdzeit.
Der Lebensraum Wasser ist in Bayern vielfältig: Bäche, Flüsse, Teiche und Seen. Genauso vielfältig sind die Bewohner dieser Unterwasserwelten. Allerdings ist diese Artenvielfalt durch eine Vielzahl menschlicher Eingriffe in unsere Gewässer bedroht. Die Fischer setzen sich deshalb für den Schutz der Gewässer und die Hege der heimischen Fischarten ein.
Im Kalender 2017 stellen wir vier Fischarten vor, die als Friedfische bezeichnet werden. Im Gegensatz zu den Raubfischen ernähren sich diese nicht von anderen Fischen und Wirbeltieren, sondern von Kleintieren und pflanzlicher Kost. Darunter versteht man hauptsächlich Insekten und deren Larven, Würmer, Kleinkrebse, Schnecken und Muscheln. Unterschiedliche Algen und junge Triebe höherer Wasserpflanzen zählen zur Pflanzennahrung. Reine Pflanzenfresser gibt es bei den Fischen streng genommen nicht. Selbst bei der Aufnahme pflanzlicher Nahrung werden im-mer Kleintiere, die sich zwischen den Pflanzen aufhalten, mit aufgenommen.
Das Fischmaul stellt oft eine Anpassung an die mitunter speziellen Ernährungsgewohnheiten der einzelnen Fischarten dar. Seine Form und Ausrichtung verrät, wo der Fisch nach Nahrung sucht. Fische, deren Mäuler nach oben geöffnet sind, suchen ihre Nahrung bevorzugt an der Wasseroberfläche. Dies ist im Kalender bei der Rotfeder gut zu erkennen. Fische, deren Mäuler sich nach unten öffnen ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen oder Kleinlebewesen im Gewässergrund. Die Kalenderfische Karpfen und Schleie spüren diese Kleintiere mit einem vorstülpbaren Maul und den Geschmacksknospen auf Barteln und Lippen auf. Das Maul der vorgestellten Fischart Nase hat sich wiederum ganz auf das Abschaben der Aufwuchsalgen vom Gewässergrund spezialisiert. Ihr stark unterständiges Maul hat hierfür harte Hornlippen ausgebildet.
J. Weißmann / S. Schütze

Titel
Zum Titelbild
Das Muffelwild – im Bild ein starker Widder – gehört zu den Wildschafen, die von Sardinien und Korsika ausgehend das europäische Festland erreichten. In Deutschland wurden erste Exemplare vor etwa 120 Jahren im Eulengebirge (Schlesien; heute polnisch) und in der Lüneburger Heide ausgewildert. Dies geschah zunächst nicht aus jagdlichen Gründen; Naturfreunde sahen in der Tierart eine Bereicherung der heimischen Fauna.
Muffelwild ist tagaktiv und stellt keine besonderen Ansprüche an die Nahrung, die es aufnimmt. Es gibt Individuen, die „schälen“, das heißt, die die Rinde jüngerer Bäume abziehen und so forstliche Schäden anrichten. Wo jedoch der Wolf in Muffellebensräumen auftaucht, erlöschen die Bestände.

Kindern den Spaß verbieten?
Die Tierrechtsorganisation Peta hat es wieder getan: Kinder sollen nicht mehr angeln dürfen. So lässt sich ein Aufruf an Schulen aus ganz Deutschland verstehen, in dem gefordert wird, Angel-AGs einzustellen. Es handelt sich um freiwillige Kurse, die an einige Schulen angeboten werden und die die Kinder auf die Fischerprüfung vorbereiten. Also ein Kurs, den Jugendliche belegen, die Freude an der Natur haben, die über Tier- und Pflanzenwelt unserer Gewässer etwas lernen wollen und die dabei im schonenden Umgang mit den gefangenen Fischen geschult werden.
Will Peta den Kindern die Freude nehmen?
Bayerische Schulen scheinen bisher nicht betroffen zu sein, doch hat Peta auch im Freistaat bereits versucht, Kinder und Jugendliche zu attackieren. So gab es speziell im letzten Jahr Anzeigen gegen Vereine, die so genannte Schnupperfischen durchführen. Betroffen war zum Beispiel der Bezirksfischereiverein Erlangen. Gemeinsam mit dem Landesfischereiverband und mit der Unterstützung durch einen Anwalt, konnte bei der Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens erreicht werden. Sogar der Bayerische Landtag äußerte sich zu dem Fall und unterstützt das Heranführen von Jugendlichen an die Fischerei und an das Naturerlebnis.
Nun sind überwiegend Schulen in Niedersachsen betroffen und wir unterstützten den Anglerverband Niedersachsen in dieser Angelegenheit. Hier finden Sie die Stellungnahme des Anglerverbands: http://www.av-nds.de/aktuelles/599-peta-will-angelags-verbieten.html

Auffrischungskurs Fischereiaufseher
Auf der Messe „JAGEN UND FISCHEN“ in Augsburg bietet der LFV Fischereiaufsehern seiner Mitgliedsverein einen kostenlosen Auffrischungskurs an. Informieren Sie sich über rechtliche Befugnisse und melden Sie sich nleich unter poststelle@lfvbayern.de an. Alle Teilnehmer erhalten kostenlosen Eintritt zur Messe.
Das Kursmaterial können sie hier herunterladen:
Kursmaterial für Fischereiaufseher 150.54 KB 4046 Downloads
Präsentation von Manfred Braun zum Auffrischungskurs für Fischereiaufseher in...
Tiere fürs Klassenzimmer
Minister Brunner stellte den Schulkalender 2017 vor
Der beliebte Schulkalender „Wald – Wild – Wasser“ wird auch im kommenden Jahr die Natur ins Klassenzimmer bringen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (M.) hat als Schirmherr am Freitag die neue Ausgabe gemeinsam mit dem Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands Prof. Dr. Jürgen Vocke (l.) und dem Präsidenten des Landesfischereiverbands Oberbayern Franz Geiger (r.) vorgestellt.
Unter dem Motto „Pflanzenfresser und Friedfische“ zeigt der Kalender wieder zwölf großformatige Fotos von Tieren wie Reh, Karpfen, Feldhase, Graugans oder auch dem Maikäfer. Ergänzt werden die Bilder von kindgerecht aufbereiteten Informationen zum Lebensraum. Die Kopiervorlagen auf den Rückseiten sollen die Kinder zum Ausmalen animieren. „Mit dem Kalender wollen wir das Interesse der Kinder für die Natur wecken“, sagte Brunner. Denn viele hätten aufgrund der zunehmenden Urbanisierung kaum noch eigene Naturerlebnisse.
Der Kalender wird aus Mitteln der Jagd- und der Fischereiabgabe finanziert und an alle 3. und 4. Klassen in Bayern kostenlos verteilt. Interessenten können den Schulkalender bei der BJV-Service GmbH, Hohenlindner Str. 12, 85622 Feldkirchen (Tel.: 089-99023422, Mail: service@jagd-bayern.de) bestellen.
Bild: Baumgart/StMELF

Alpenflusslandschaften erleben!
Vom 21. November bis zum 12. Dezember gibt es in der Geschäftsstelle des Landesfischereiverbands Bayern die Ausstellung „Alpenflusslandschaften“ zu sehen. Die Ausstellung begleitet ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Naturschutz mit dem WWF, dem LFV und vielen anderen zum Thema Artenvielfalt von Ammersee bis Zugspitze.
Zu sehen sind die Gewinneraufnahmen eines Fotowettbewerbs.
Wir haben von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Freitags schließen die Türen bereits um 12 Uhr. Sie finden uns in der Mittenheimer Straße 4 in 85764 Oberschleißheim. Der Eintritt ist selbstverständlich kostenlos. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und ein persönliches Gespräch!
Im Rahmen des Projekts führt der Landesfischereiverband eine Wiederansiedlung von Seeforellen in der Ammer durch. Der nächste Besatz mit Fischeiern startet voraussichtlich im Dezember. Mehr Infos finden Sie unter www.alpenflusslandschaften.de
Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“
Für das vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bayerischen Naturschutzfond geförderte
Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“
Suchen wir Unterstützung bei der Durchführung im Teilprojekt
„Wiederaufbau einer Seeforellenpopulation in der Ammer – Bestandstützende Maßnahmen zugunsten der Ammersee-Seeforelle“
In der „Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns“ wird die Seeforelle (Salmo trutta morpha lacustris) als „stark gefährdet“ eingestuft (LfU 2003). Wanderhindernisse, verkürzte Aufstiegsstrecken sowie fehlende Laich- und Jungfischlebensräume erlauben es vielerorts nicht mehr, dass sich ausreichend hohe Jungfischdichten aus der Naturverlaichung der Seeforellenbestände bilden.
Aus diesem Grund führt der Landesfischereiverband Bayern e.V. im Einzugsgebiet der Ammer (LK Weilheim-Schongau) ein dreijähriges Besatzprogramm zur Erbrütung von Seeforellen am Gewässer durch. Nähere Angaben zu Art und Umfang der zu erbringenden Leistungen finden Sie in beigefügtem Leistungsverzeichnis.
An unseren zukünftige/-n Auftragnehmer/-in stellen wir folgende Anforderungen:
- Ausbildung mit fischereifachlichem Hintergrund
- Kenntnisse über die für Mitteleuropa typische Gewässer- und Fischarten sowie deren aktuelle Situation
- Praktische Erfahrung mit der Fischaufzucht von Salmoniden. Einrichtungen zur Zwischenhälterung unterschiedlicher Entwicklungsstadien von Seeforellen sind von Vorteil
- hohes Maß an Selbständigkeit
- gutes Koordinationsvermögen sowie hohes Maß an Zuverlässigkeit
- sicheres Auftreten und Kommunikationsvermögen gegenüber Vertretern von Behörden, Verbänden und Fischereivereinen
- zeitliche Flexibilität, Bereitschaft auch an Wochenenden zu arbeiten
- gute Kenntnisse am PC (MS Office)
- Führerschein KFZ
- Elektrofischereischein
Eine bereits vorhandene Berufserfahrung aus einer vergleichbaren oder ähnlichen Tätigkeit wäre wünschenswert. Die Einbringung eigener Ideen sowie ein gewisses Maß an Kreativität sind ausdrücklich erwünscht.
Sofern Sie Interesse an der Durchführung des dazu vorgesehenen Auftrags haben, bitten wir Sie um ein schriftliches Kosten-Angebot bis zum 10. Dezember 2016, vorzugsweise per E-Mail an poststelle@lfvbayern.de mit dem Betreff „Bewerbung Hotspot“
oder postalisch an
Landesfischereiverband Bayern e.V.,
Mittenheimer Str. 4
85764 Oberschleißheim
z. Hd. Herrn Türk
Einen Überblick über das Hotspot-Rahmenprojekt finden Sie unter www.alpenflusslandschaften.de bzw. auf der Website des Bundesprogramms www.biologischevielfalt.de
Für Fragen oder Anregungen zur Durchführung des Auftrages, wenden Sie sich bitte an Ihren Ansprechpartner im Referat III (Fischerei, Gewässer- und Naturschutz):
Herrn Patrick Türk
E-Mail: patrick.tuerk@lfvbayern.de
Tel: 089-64 27 26 28
Fax: 089-64 27 26 66
Weitere Informationen finden Sie hier:

Kraftwerk Illerursprung: Massiver Eingriff in Umwelt
Landesfischereiverband übt heftige Kritik an geplantem Wasserkraftwerk an der Trettach
Die Trettach im Markt Oberstdorf ist einer der drei Quellflüsse der Iller. Die Iller ist einer der bedeutendsten voralpinen Flüsse in Bayern. Ihre Quellbäche sind Rückzugsräume für viele gefährdete Fischarten. Ausgerechnet hier soll ein neues Wasserkraftwerk gebaut werden, der Umwelt droht enormer Schaden. Wie bei den Plänen für das Kraftwerk an der Eisenbreche in Bad Hindelang sollen ökologische Bedenken erneut keine Rolle spielen.
Die Trettach ist das wichtigste Gewässer für selbsterhaltende Bachforellenpopulationen im gesamten Illereinzugsgebiet. Sie ist Lebensraum für etliche Rote-Liste-Arten, wie zum Beispiel die Koppe. Kommt das Ausleitungsraftwerk, wird ein Teil der bedrohten Fische am Rechen der Ausleitung verenden, in der 2,4 km langen Druckrohrleitung ersticken oder in der schnelllaufenden Turbine gehäckselt.
„Das geplante Kraftwerk verstößt klar gegen das Verschlechterungsverbot gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtline. Der Landesfischereiverband wird gegen eine Genehmigung klagen und bei der EU-Kommission Anzeige erstatten“, so Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern. „Im Namen der Energiewende scheinen alle Mittel recht, wertvolle Natur für wirtschaftliche Zwecke zu opfern“
Die gesamte Planung beruht auf völlig unzureichender Grundlage. „Es wird leichtfertig mit ökologischen Untersuchungen gearbeitet, die sich nur auf Teilabschnitte des Flusses beziehen. Sie sind nicht repräsentativ für die Auswirkungen der Wasserkraftanlage“, so Johannes Schnell, Referent für Arten- und Gewässerschutz beim Landesfischereiverband Bayern.
Steuergelder für Flussrenaturierung werden verschwendet
Die Ausleitung von bis zu 6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entwertet das naturnah gestaltete Gewässer als Lebensraum, da die Abflüsse und die Strömungsvarianz zunichte gemacht werden. Dies führt das Engagement des Wasserwirtschaftsamts Kempten ad absurdum: Genau in dem Bereich, der zukünftig von der Wasserentnahme betroffen sein soll, wurden intensive Maßnahmen zur Durchgängigkeit des Flusses für Fische in Angriff genommen. Mit Steuergeldern wurden hier an Schwellen im Wasser Rampen errichtet, die ohne die bisherige Wasserführung nicht mehr funktionieren werden.
In Zeiten des Klimawandels sind neue Kraftwerke im alpinen Bereich grundsätzlich zu hinterfragen. Experten prognostizieren für die Zukunft in den Sommermonaten Trockenheit und lange Niedrigwasserphasen. Dann werden Kraftwerke nicht rentabel zu betreiben sein. Der Preis, den unsere Natur für solche Bauwerke zahlt, steht in keiner Relation zum kurzfristigen Gewinn für die Investoren der Kraftwerke.
Auf einen Blick:
- Die Trettach ist einer der drei Ursprünge der Iller, hier soll ein neues Wasserkraftwerk entstehen.
- Auf einer Länge von 2,4 Kilometern und mit einer Fallhöhe von 36 Metern soll Wasser aus dem eigentlichen Fluss abgezweigt werden – und zwar bis zu 6 m³/s.
- Eine Druckrohrleitung führt das Wasser zu zwei Turbinen, eine Todesfalle für Fische
- Im eigentlichen Fluss bleibt nur geringes Restwasser, der die bereits erfolgte Renaturierung der Trettach zunichtemacht.
- Die gesamte Planung beruht auf völlig unzureichenden ökologischen Untersuchungen
- Wird der Bau genehmigt, behält sich der Landesfischereiverband Bayern eine Klage vor und prüft die Option, Beschwerde bei der Europäischen Kommission wegen Verstoßes gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie einzureichen.

Kormoranschlafplatzzählung 2016/2017
Nach einer Zählpause im vergangenen Winter stehen im kommenden Winter 2016/2017 wieder die Ihnen schon bekannten Zählungen an Kormoran Schlafplätzen an. Auch diesmal wird diese von September bis April jeweils an den Terminen der Wasservogelzählungen zur Monatsmitte vom Landesfischereiverband Bayern und dem Landesbund für Vogelschutz im Auftrag des Landesamts für Umwelt durchgeführt. Wir rufen die Mitglieder des Landesfischereiverbands auf, sich wieder zahlreich an der Zählung zu beteiligen.
Eine Schlafplatzliste gibt dabei, den aktuellen Stand wieder. Darin finden sich auch einzelne braun markierte Schlafplätze. Diese unterscheiden sich darin, dass entweder aus den letzten drei Zählsaisons keine oder nur unvollständige Daten vorliegen und nicht bekannt ist, ob diese Schlafplätze noch benutzt werden. In Einzelfällen kommt es vor, dass in einem bestimmten Winter ein Schlafplatz unbesetzt ist, im darauffolgenden Winter aber wieder von Kormoranen benutzt wird. Daher werden Schlafplätze erst dann als „erloschen“ definiert, wenn sie drei Jahre in Folge unbesetzt waren. Für die braun markierten Schlafplätze sind daher aktuelle Informationen ganz besonders wertvoll. Es ist also durchaus wichtig, dass ein Schlafplatz mehrmals im Winter, am besten monatlich, besucht wird, selbst wenn sich zu Beginn keine Kormorane zeigten. Es gibt Schlafplätze, die sind nach dem herbstlichen Durchzug zum Jahresende hin zunächst verwaist, werden aber dann zum Beginn des neuen Jahres doch wieder genutzt. Es ist zugegebenermaßen nicht sehr spannend, einen Schlafplatz zu kontrollieren, an dem keine Kormorane gezählt werden können. Aber auch „Nullwerte“ sind für von Bedeutung und eine wichtige Unterscheidung zwischen unbesetzten Schlafplätzen und Schlafplätzen, die nicht kontrolliert wurden.
Bitte teilen Sie auch mit, wenn in Ihrer Umgebung neue Schlafplätze (mind. 4 Individuen an einem Platz) bekannt geworden sein sollten, also Schlafplätze, die nicht auf der anhängenden Liste aufgeführt sind. Das hilft für eine möglichst flächendeckende und lückenlose Zählung.
An der Durchführung der Zählungen hat sich nichts geändert: An den Stichtagen der Synchronzählung (siehe unten) sollten Sie an „Ihrem“ Schlafplatz jeweils in der Abenddämmerung alle anwesenden Kormorane erfassen und zusammen mit Angaben zu den Erfassungsbedingungen auf dem Meldebogen notieren. Entscheidend ist, dass die Kontrolle tatsächlich erst in der Abenddämmerung erfolgt. Nur dann ist gewährleistet, dass sich die Kormorane weitgehend vollständig an ihrem Schlafplatz gesammelt haben. Sollten Sie am Stichtag selbst an der Zählung verhindert sein, kann die Zählung auch vorgezogen oder nachgeholt werden. Dies sollte jedoch möglichst zeitnah zum Stichtag liegen; ab einer Woche Abstand zum Zähltag können die Daten nicht mehr gewertet werden. Bitte nutzen Sie für die Eingabe der Zähldaten den hierfür vorgesehenen Zählbogen.
Für die Durchführung der Zählungen stellt unser Auftraggeber, das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), auch im kommenden Winter wieder eine Fahrtkostenerstattung bereit.
Bitte verwenden Sie für Ihre Datenmeldungen die Bezeichnung bzw. Nummer, die sich aus dem Landkreiskürzel und einer Ziffer zusammensetzt (Bsp.: „LL-3“) auch auf Ihrem Meldebogen, damit können Sie bei der Verarbeitung der Daten Zeit ersparen, da ansonsten Angaben wie Flusskilometer oder nur regional bekannte Namen von Gewässern erst mühsam auf der Karte gefunden werden müssen.
Informieren Sie uns bitte den Landesbund für Vogelschutz, wenn Sie an einem oder mehreren dieser Schlafplätze die monatliche Kontrolle übernehmen können. Wenn Sie an einem bisher von Ihnen gezählten Schlafplatz nicht fortfahren können, bitten wir Sie ebenfalls um Rückmeldung, damit wir Ersatz suchen können. Im Anhang finden Sie einen Vordruck für eine Teilnahmemeldung. Wir nehmen Ihre Mitteilung aber gerne auch formlos, per E-Mail an kormoran@lbv.de oder Telefon entgegen.
Die Ergebnisse der letzten Jahre können Sie jeweils im Internet auf der Seite des Landesamts für Umwelt nachlesen: (http://www.lfu.bayern.de/natur/vogelmonitoring/kormoran/index.htm).
Bild: Silvio Heidler
Negativ ausgelassen: Mondlandschaft in der Oberpfalz
Kritik der Fischerei an Abstaupraxis der Wasserwirtschaftsbehörde am Eixendorfer Stausee
Trotz frühzeitiger Warnungen und Empfehlungen des ortsansässigen Fischereivereins Neunburg und des Landesfischereiverbands Bayern e.V. (LFV) hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden bei der Absenkung der Vorsperre am Stausee Eixendorf (Oberpfalz) enorme Mengen an Schlamm mobilisiert und in den Hauptsee eingeschwemmt. Genau um einen solchen Schlammeintrag zu verhindern, wurde eigentlich das Vorsperren-Bauwerk von der Wasserwirtschaft errichtet.
Mondlandschaft in der Oberpfalz
Wie viele Fische und insbesondere Muscheln durch die Schlammbrühe verendet sind, ist derzeit nicht absehbar. Eine vorgegebene Mindestwassertiefe von einem Meter wurde nicht eingehalten und der Stau oberhalb der Vorsperre ist gänzlich leer gelaufen. Der Stausee gleicht in weiten Bereichen einer Mondlandschaft.
„Der zu Revisionszwecken durchgeführte Abstau am Eixendorfer Stausee erweckt eher den Anschein einer Stauraumspülung, als den einer kontrollierten Absenkung“, so Prof. Albert Göttle, Präsident des LFV und ehemaliger Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft am Umweltministerium. „Der Schlamm hat jede Menge Nährstoffe in den Hauptsee gebracht, der wegen seiner hohen Nährstoffgehalte ohnehin regelmäßig Probleme mit Algenblüten hat. Die jahrelang praktizierte Nährstoffreduzierung zur Verbesserung der Wasserqualität, an der auch die Fischerei einen aktiven Beitrag leistet, wird durch den Schlammeintrag konterkariert.“
Pikant an der Angelegenheit: Bei einem am 27. April 2016 vom Wasserwirtschaftsamt anberaumten Informationstermin für die Absenkung des Stausees, stand eine Revision der Vorsperre nicht zur Diskussion. Die Absicht einer Absenkung der Vorsperre wurde erst im Rahmen einer öffentlichen Auftragsausschreibung für die Revision bekannt. Trotz Forderung der Fischerei nach Vorlage eines detaillierten Abstauplans wurde dieser erst kurz vor Maßnahmenbeginn präsentiert. Ein Notfallplan für eine möglicherweise erforderliche Fischbergung liegt für das rund 100 ha große Gewässer bis heute nicht vor, obwohl in Folge des Schlammeintrags Fischsterben nicht ausgeschlossen werden können.
Wasserwirtschaftliche Willkür in Bayern?
„Teichwirte werden bei der Abfischung von Teichen für den Austrag geringer Schlamm-Mengen seitens der Wasserwirtschaftsbehörden beanstandet und rechtlich belangt“, so Johannes Schnell, Fischerei- und Artenschutz-Referent beim LFV. „Im Fall Eixendorf hingegen hat die Wasserwirtschaftsbehörde offenbar keine Bedenken, tausende Kubikmeter Schlamm stromab zu spülen.“
Die Vorgehensweise der Wasserwirtschaft wirft kein gutes Licht auf die umstrittene Pilot-Wasserkraftanlage des bayerischen Umweltministeriums, die im Rahmen der Stauseeabsenkung errichtet werden soll. Zweifelsfrei verändert die massive Spülung des Stauraums den Ist-Zustand am Standort, der im Rahmen des Pilot-Wasserkraft-Projekts durch die Technische Universität München zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken mit hohem Aufwand dokumentiert wurde. Ob die späteren Erhebungen der Uni dann noch einen wissenschaftlichen vorher-nachher-Vergleich zulassen, bleibt abzuwarten.
Infokasten:
- Der ca. 100 ha Große Eixendorfer Stausee entstand durch den künstlichen Aufstau der Schwarzach. Zwar handelt es sich bei dem Stausee um ein künstliches Gewässer. Gleichwohl beherbergt er aufgrund des Schwarzach-Zuflusses automatisch einen natürlichen Fisch- und Muschelbestand, der neben fischereilichen auch naturschutzfachlichen Maßgaben unterliegt.
- Dem Hauptsee wurde eine Vorsperre vorgeschaltet, um den Eintrag von Sedimenten aus der Schwarzach und einer Verlandung des Stausees zu vermeiden.
- Bereits 2010 wurden bei einer Absenkung der Vorsperre am Eixendorfer Stausee erhebliche Mengen an Schlamm in den unterhalb gelegenen Hauptsee verfrachtet.

