Negativ ausgelassen: Mondlandschaft in der Oberpfalz

Kritik der Fischerei an Abstaupraxis der Wasserwirtschaftsbehörde am Eixendorfer Stausee

Trotz frühzeitiger Warnungen und Empfehlungen des ortsansässigen Fischereivereins Neunburg und des Landesfischereiverbands Bayern e.V. (LFV) hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden bei der Absenkung der Vorsperre am Stausee Eixendorf (Oberpfalz) enorme Mengen an Schlamm mobilisiert und in den Hauptsee eingeschwemmt. Genau um einen solchen Schlammeintrag zu verhindern, wurde eigentlich das Vorsperren-Bauwerk von der Wasserwirtschaft errichtet.

Mondlandschaft in der Oberpfalz

Wie viele Fische und insbesondere Muscheln durch die Schlammbrühe verendet sind, ist derzeit nicht absehbar. Eine vorgegebene Mindestwassertiefe von einem Meter wurde nicht eingehalten und der Stau oberhalb der Vorsperre ist gänzlich leer gelaufen. Der Stausee gleicht in weiten Bereichen einer Mondlandschaft.

„Der zu Revisionszwecken durchgeführte Abstau am Eixendorfer Stausee erweckt eher den Anschein einer Stauraumspülung, als den einer kontrollierten Absenkung“, so Prof. Albert Göttle, Präsident des LFV und ehemaliger Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft am Umweltministerium. „Der Schlamm hat jede Menge Nährstoffe in den Hauptsee gebracht, der wegen seiner hohen Nährstoffgehalte ohnehin regelmäßig Probleme mit Algenblüten hat. Die jahrelang praktizierte Nährstoffreduzierung zur Verbesserung der Wasserqualität, an der auch die Fischerei einen aktiven Beitrag leistet, wird durch den Schlammeintrag konterkariert.“

Pikant an der Angelegenheit: Bei einem am 27. April 2016 vom Wasserwirtschaftsamt anberaumten Informationstermin für die Absenkung des Stausees, stand eine Revision der Vorsperre nicht zur Diskussion. Die Absicht einer Absenkung der Vorsperre wurde erst im Rahmen einer öffentlichen Auftragsausschreibung für die Revision bekannt. Trotz Forderung der Fischerei nach Vorlage eines detaillierten Abstauplans wurde dieser erst kurz vor Maßnahmenbeginn präsentiert. Ein Notfallplan für eine möglicherweise erforderliche Fischbergung liegt für das rund 100 ha große Gewässer bis heute nicht vor, obwohl in Folge des Schlammeintrags Fischsterben nicht ausgeschlossen werden können.

Wasserwirtschaftliche Willkür in Bayern?

„Teichwirte werden bei der Abfischung von Teichen für den Austrag geringer Schlamm-Mengen seitens der Wasserwirtschaftsbehörden beanstandet und rechtlich belangt“, so Johannes Schnell, Fischerei- und Artenschutz-Referent beim LFV. „Im Fall Eixendorf hingegen hat die Wasserwirtschaftsbehörde offenbar keine Bedenken, tausende Kubikmeter Schlamm stromab zu spülen.“

Die Vorgehensweise der Wasserwirtschaft wirft kein gutes Licht auf die umstrittene Pilot-Wasserkraftanlage des bayerischen Umweltministeriums, die im Rahmen der Stauseeabsenkung errichtet werden soll. Zweifelsfrei verändert die massive Spülung des Stauraums den Ist-Zustand am Standort, der im Rahmen des Pilot-Wasserkraft-Projekts durch die Technische Universität München zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken mit hohem Aufwand dokumentiert wurde. Ob die späteren Erhebungen der Uni dann noch einen wissenschaftlichen vorher-nachher-Vergleich zulassen, bleibt abzuwarten.


Infokasten:

  • Der ca. 100 ha Große Eixendorfer Stausee entstand durch den künstlichen Aufstau der Schwarzach. Zwar handelt es sich bei dem Stausee um ein künstliches Gewässer. Gleichwohl beherbergt er aufgrund des Schwarzach-Zuflusses automatisch einen natürlichen Fisch- und Muschelbestand, der neben fischereilichen auch naturschutzfachlichen Maßgaben unterliegt.
  • Dem Hauptsee wurde eine Vorsperre vorgeschaltet, um den Eintrag von Sedimenten aus der Schwarzach und einer Verlandung des Stausees zu vermeiden.
  • Bereits 2010 wurden bei einer Absenkung der Vorsperre am Eixendorfer Stausee erhebliche Mengen an Schlamm in den unterhalb gelegenen Hauptsee verfrachtet.
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